Festival der ARD Preisträger : Sopran, Klavierduo, Flöte, Schlagzeug

FESTIVAL DER ARD PREISTRäGER : SOPRAN, KLAVIERDUO, FLöTE, SCHLAGZEUG

Mendelssohn, Delibes, Martin, Saint-Saens, Sancan u.v.m.

Barocksaal Tegernsee

14.05.2016, 19.30 Uhr

Nachbericht

Höchstes musikalisches Niveau lud der „Freundeskreis für die Förderung junger Musiker“e.V. mit einer ausgezeichneten internationalen Auswahl von Preisträgern der ARD Wettbewerbe 2014 und 2015 in den komplett ausverkauften Tegernseer Barocksaal. Es traten die koreanische Sopranistin Sooyeon Lee, der deutsche Schlagzeuger Alexej Gerassimez, die georgischen Pianistinnen Ani und Nia Sulkhanshvili und der spanische Flötist Francisco López Martín in der Konzertreihe „Podium für junge Solisten“ auf.
Schon der Anfang mit der vitalen Zwillingsschwestern ließ erahnen, welch musikalische Energie und Sensibilität dieser Konzertabend zu bieten hatte. Mendelssohns Andante und Allegro in A-Dur op. 92 spielten Ani und Nia Sulkhanshvili mit traumwandlerischer Sicherheit und äußerst gesanglichem Vortrag, ein symbiotisches Duo, welches in volltöniger samtener Anschlagskultur alle Lebendigkeit, Esprit und jagende Verspieltheit aus diesem leuchtenden Werk für Klavier zu vier Händen holte.
Mit Leo Delibes, „Le Rossignol“ ( Die Nachtigall ) ein Lied für Sopran, Flöte und Klavier, begann ein längerer Auftritt dieser Besetzung. Das legére Lied eines der beliebtesten Bühnenkomponisten der Romantik ( 1836-1891) erzählt von der Flüchtigkeit der Liebe, die Singstimme Lees und die Flötenlinie Martíns imitierten und umkreisten sich in Girlanden von Vogel- und Soprangesang in betörender farbiger Geschmeidigkeit und Kommunikation auf der sanften Begleitung des zart auftretenden Klaviers.
Bei„Troi chants de Noël“ Frank Martins bewegten sich die drei jungen Musiker gekonnt auf moderneren Gefilden und zeichneten den verwobenen Stil aus Zwölftontechnik und Tonalität des schweizer Komponisten mit ernster Ausdrucksstärke nach.
Ruhig wogend und einfühlsam nahm sich das Trio des Liedes „Une flute invisible“ von Camille Saint-Saens an, die Friedfertigkeit des Schäferslied, die Fröhlichkeit des Vogelgesangs und die schmeichelnden Laute des Liebesgesangs im warmer Tongebung ansprechend.
Die Sonatine für Flöte und Klavier von Pierre Sancan (1916-2008) beleuchtetet Ani Sulkhanshvili und Francisco López Martín ausdrucksvoll und bewegt, nachdenklich, mit virtuosen Flötenpassagen und rasanten Rhythmen.
Bevor Alexej Gerassimez am Marimbaphon loslegte, wollte er dem Publikum von sich und seiner nun als Weltpremiere erklingenden Komposition erzählen, die in einer Zeit des mangelnden festen Wohnsitzes in Berlin entstand, als er monatelang auf der Durchreise bei Freunden und Bekannten war bis er eine Wohnung gefunden hatte. Er rauschte durch das schnelle tokkatenähnliche Stück und faszinierte mit seiner Behändigkeit und seiner geschmeidigen und eleganten Tongebung.
Zwei Lieder in der Bearbeitung von Calvin Bolton, Beethovens „Ich liebe dich“ und das irische Lied „The last rose of summer „ liessen die Feinfühligkeit der beiden Künstler und die Schönheit dieser Musik bewundern. Mit Hugo Wolfs 3 Liedern nach Gedichten von Mörike widmeten sie sich mit Tiefsinn und Leidenschaft der eng mit dem Text verbundenen Musik Wolfs, der Welt der ambivalenten, ästhetisch in Klang gesetzten erleuchtenden wie verstörenden Empfindungen.
Flöte und Klavier führten mit Francis Poulencs Sonate zurück in glückliche Momente von lockerem Sinnieren und fließendem Spiel, pfiffig und getrieben dann im schärfer pointiertem quirligen Schlusssatz mit bejahendem finalem, sich aufbäumendem Motiv.
Debussys „Petite Suite“für Klavier zu vier Händen zeugte wieder von der musikalischen Verbundenheit der beiden Schwestern Ani und Nia, die erzählend, fein ziselierend, anmutig, sowie klangstark und rhythmisch durchdrungen, von durchsichtigen Harfenklängen bis zu galoppierenden Passagen spielend, das unglaubliche Spektrum ihrer Fähigkeiten fröhlich und beseelt zeigten.
Chick Coreas improvisatorische jazzigem „Spain“ schenkte die bisher im Programm nicht vorgekommene Kombination von Flöte und Marimbaphon, mit Martín und Gerassimez, dem von den fünf jungen Musikerinnen und Musiker begeistertem Publikum als mitreißende Zugabe.
Marcus Vitolo



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