Vivi-Vassileva Quintett

VIBRAPHON, KLAVIER,KONTRABASS, DRUM-SET, PERCUSSION

Astor Piazolla, Chik Corea u.a.

Barocksaal Tegernsee

11.11.2017, 19.30 Uhr

Nachbericht

Ein Rhythmus-Gewitter sondergleichen bereitete das Vivi Vassileva Quintett im Barocksaal des Tegernseer Schlosses dem begeisterten Publikum. Die führende Persönlichkeit Vivi Vassilevas, ihre ansprechende Lockerheit und ihr mitreißendes musikalisches Temperament einer Schlagwerk-Urkraft prägten das ganze Konzert des „Podium für junge Solisten“. Ihre Mitstreiter auf der Bühne , auch junge, aber schon weit gereiste, Orchester und Ensemble-erprobte, erfahrene Schlagzeug-Musiker, agierten mit Inbrunst und augenscheinlicher, entfesselter Spielfreude. Maruan Sakas, Klavier, Maxime Pidoux, Percussion, Daniel Martinez, Percussion, Lucas Campara , Gitarre, und Thomas Ganzenmüller, Kontrabass , gaben sich in unterschiedlichen Ensemble-Zusammenstellungen der Schlagwerk-Musik hin und perlten, trommelten, klingelten, schnarrten, zupften, und schlugen; mit den Klöppeln, den Schlägeln, den Fingern, der ganzen Hand, zusammen mit ihrer Rhythmus-Besessenen „Schamanin“ Vivi Vassileva, die froh gelaunt jedes Stück anmoderierte . Kalino Mome, vollständig Nazad, nazad Klalino Mome (Komm zurück Mädchen Kalino), ursprünglich ein Bulgarisches Volkslied, entfaltete seine Rhythmen und Melodien in der Bearbeitung von Viviane Vassileva, mit Marimba, Vibraphone, Glockenspiel und Setup. Ein kerniges Solo-Zauberstück für kleine Trommel, Asventuras für Snaredrum, von Alexej Gerassimez, feuerte jeden an dem Instrument zu erzeugenden Klang mit phantasievoller Vielfalt in den Saal. Mit unfassbarer Lebendigkeit und meisterlicher Geschicklichkeit nutzte Vivi Vassileva jede Oberfläche der kleinen Trommel aus . Erst die Stöcke selbst, dann den Rand der Trommel, legte ein hypnotisch sich in Geschwindigkeit und Lautstärke steigernden Wirbel hin, wie ein Propeller eines Flugzeugs beim Start,schaltete zurück auf geflüsterte Töne, Streicheln mit den Fingern, Klopfen, Streichen mit dem „Besen“, dem Filzklöppel,und endete nach einer Steigerung der rhythmischen Spannung mit einem signifikanten Knall ein Stück, mit dem sie all ihr Können und ihr furioses Temperament aufleben lassen konnte. Astors Piazzolla „Vier Jahreszeiten“hatten die beiden Ausführenden, Vassileva und Campara, für Vibraphon und Gitarre arrangiert, und brachten die Atmosphäre des Tango mit seiner melancholischen Stimmung und den synkopischen Rhythmen, den Staccati und dem Innehalten, im neuen Klang von Vibraphone und verstärkter Gitarre sehnsuchtsvoll, beseelt und bewegt ein.
„Pipero masturado“, „Gemischter Pfeffer“eröffnete mit einem Schuss den zweiten Teil des Abends , wie eine Dirigentin feuert Vivi Vassileva in der vollen Besetzung jeden ihrer Musiker im Takt nickend an, bevor sie sich mit dem Vibraphone ins Geschehen stürzt, und, 2 Schlägel pro Hand, ein in jede Richtung auslotendes Musikstück, voller Klangfarbe und Sensibilität, Lautstärke und Geschwindigkeit, charismatisch und Lebensglück verströmend antreibt. „Sailing for Phil“ von Eric Sammut brachte erst weiche , dann wildere, und wieder sanfteste Klänge in allen Instrumenten zu Gehör, sowie flotte und witzige ragtimeartige Episoden zwischen Klavier und Vibraphon, ein Percussion und Drum-Set Solo legten Pidoux und Martinez virtuos-wild hin, dem sich Maruan Sakas am Flügel anschloss.Singendes Vibraphon und musikalisch spanischer Flair entstieg dem „El pario en quarto“ von Oriol Cruixent, Thomas Ganzenmüller brillierte in einem Kontrabass-Solo und nach sanft wogendem Beginn trommelte sich das Ensemble in furiose Steigerung. Standig Ovations
dankten die Musiker des Vivi Vassileva Quintetts mit „Spain“einem flamencohaften, schwungvollem Austanz. Marcus Vitolo

Ulli und Uwe Kai Stiftung