Podium für junge Solisten - Freundeskreis für die Förderung junger Musiker e.V.

Kuss - Quartett

KUSS - QUARTETT

(Haydn, Beethoven, Mendelssohn)

Barocksaal Tegernsee

13.01.2005, 19.30 Uhr

Vorbericht

Ein Streichquartett der Superlative leutet das Jahr 2005 der vom „Freundeskreis für die Förderung junger Musiker“ e. V organisierten Konzerte im Barocksaal in Tegernsee am 13.Januar um 19.30 Uhr ein. Das „Kuss“- Quartett ist Gewinner des „Paolo Borciani“ Streichquartettwettbewerbes, eins der drei international größten, seit siebzehn Jahren alle drei Jahre in Reggio Emilia abgehalten. Es ist dem Gründer und bis zuletzt ersten Geiger des legendären „Quartetto italiano“ gewidmet . Jana Kuss, Violine, Oliver Wille, Violine, William Coleman, Viola, und Felix Nickel, Violoncello, haben sich 2002 den Strapazen eines solchen Wettbewerbs ausgesetzt, bei dem offen steht ob es überhaupt eine erste Preisverleihung gibt wenn seinen hohen Standards nicht entsprochen wird. So wurde das“Kuss“ Quartett zum weltweit gefragten Ensemble. Gegründet 1991 und seit 2001 in der jetzigen Besetzung spielend, errang es den Preis des Deutschen Musikrates 2002, ein Stipendium des Borletti-Buitoni Trusts, und wurde von der European Concert Halls Organisation für das „Rising Stars“ Programm ausgewählt. Zu den Lehrern des „Kuss“-Quartett gehören Walter Levin sowie Paul und Martha Katz vom Cleveland Quartett und das Alban Berg Quartett in Köln. . Das „Kuss“-Quartett ist in allen Konzerthäusern, auch über Europa hinaus, ein sehr gefragtes Ensemble, arbeitet mit Musikern wie Kim Kashkasian, dem Komponist György Kurtág,Boris Pergamenschikow und Yuri Bashmet, Sharon Kam und Jörg Widmann, dessen erstes Streichquartett es 1998 zur Uraufführung brachte, wie demnächst daß der russischen Komponistin Lera Auerbach im Januar 2005 in Luzern. Neben regelmäßigen Aufnahmen für Funk und Fernsehen veröffentlichte das „Kuss“-Quartett im September 2003 seine erste CD mit Schönbergs Streichquartett Nr.1 und Adornos „Zwei Stücke für Streichquartett“. In Tegernsee wird das „Kuss“Quartett am 13. Januar um 19.30 Uhr folgende Werke erklingen lassen : das Streichquartett in C-Dur op. 54/2 Hob III 57 von Joseph Haydn, die Große Fuge für Streichquartett in B-Dur op.133 von Ludwig van Beethoven und das Streichquartett f-moll op. 80 von Felix Mendelssohn-Bartholdy. Karten sind im Vorverkauf erhältlich bei : Haus des Gastes in Tegernsee, Tel. 08022/180141, Giller Reisen in Rottach-Egern, Tel. 08022/6619-0, „Freundeskreis für die Förderung junger Musiker“ e.V. 08022/76471, Restkarten an der Abendkasse.

Nachbericht

Den Auftakt des 20. Jahr seines Bestehens feierte der „Freundeskreis für die Förderung junger Musiker“ e.V. mit einem grandiosen, gar fulminantem Kammermusikabend. Ein Streichquartett welches seinesgleichen sucht, das „Kuss“Quartett, mit Jana Kuss, 1. Violine, Oliver Wille, 2. Violine , William Coleman, Viola, und Felix Nickel, Violoncello, begeisterte durchwegs die Zuhörer des vollbesetzten Barocksaals in Tegernsee. Von der ersten Note an band das Ensemble das Publikum in sein jubilierendes Musizieren ein, lies die vier Sätze Haydns Quartett C-Dur op.54/2 mit klarster Klanggebung, perfekter Abstimmung und edlem Elan erklingen. Nach dem sanftest aber intensiven Tones geführtem choralartigem Beginn des Adagio, brachten die vier Musiker elegant und humorvoll das auftaktige Menuett zur Geltung. Überirdische Innigkeit, Kantabilität und Zartheit machten das Finale Adagio zu einem Gedicht, das folgende Presto erfolgte mit fliegenden Kapriolen des Wohllauts um sich im wiederkehrenden Adagio mild und behrürend warm aufzulösen. Beethovens Große Fuge B-Dur op.133 erklang dagegen als wahrer Kontrast: Furios stieg das „Kuss“Quartett in dieses frei fugiert komponierte, aus seiner Zeit ausbrechenden Werk ein. Beethovens vorangestelltes Motto :“Ebenso frei wie kunstvoll“ bedeutet ein Spiel mit dem vermeintlichen Chaos, doch bindet er es in das Gesetz der Poliphonie. Markant, schneidend und heftig agierte das Ensemble, seinen vollsten Klang, seinen zartesten, sein Herzblut gebend, wiedergab es aufwühlend und heiß kochend die so viele Tonarten durchschreitenden, verbundenen Musikfragmente dieses erschütternden und doch schönen Stückes. Mendelssohns Streichquartett in f-moll op. 80 ist als instrumentales Requiem für seine verstorbene Schwester Fanny zu verstehen, ein Werk daß schmerzliches Erleben reflektiert. Geisterhaft flirrend holte das „Kuss“Quartett die vibrierende Erregung des gespenstischen ersten Satzes hervor um sie bis zum Ausbruch zu steigern, bewegte im Ausdruck der Hoffnungslosigkeit des selbstquälerischen folgenden Satzes, und führte mit einmaliger Sensibilität und Poesie durch den innigen, sehnsuchtsgeladenen Quartettgesang des As-Dur Adagio. Unrast und Fatalismus beendeten mit dem letzten Satz dieses so vollkommen musizierte Werk. Höchste begeisterung , Bravo Rufe und unermüdlicher Applaus wurde mit Anton Weberns 6 Bagatellen , kurze, stille und in der Tiefe zerrend, spitz treffende Kleinode schlossen dieses phantastischen Konzert ab. Marcus Vitolo

Ulli und Uwe Kai Stiftung