Simply Quartett, Gewinner des Int.Streichquartett Wettbewerbs Bordeaux

SIMPLY QUARTETT, GEWINNER DES INT.STREICHQUARTETT WETTBEWERBS BORDEAUX

Barocksaal Tegernsee

25.09.2021, 19.30 Uhr

Vorbericht

Das Simply Quartett gehört zu den aufstrebendsten und vielversprechendsten Streichquartetten der neuen Generation. Zahlreich international ausgezeichnet, bahnt sich das junge Ensemble seinen Weg in der klassischen Musikszene. 2008 unter der Schirmherrschaft von Professor Jensen Horn-Sin Lam in Shanghai gegründet, fasste, das ursprünglich aus ausschließlich chinesischen Mitgliedern bestehende Quartett, in Wien Fuß. Danfeng Shen und Xiang Lu bilden mit dem norwegischen Cellisten Ivan Valentin Hollup Roald und der österreichischen Geigerin Antonia Rankersberger eine internationale Konstellation.  

Einen Schwerpunkt stellte bisher das Repertoire deutschsprachiger Komponisten dar. Dafür wurde das Ensemble mit dem 1. Preis beim 2017 in Wien stattfindenden Internationalen Joseph Haydn Wettbewerb sowie beim Internationalen Kammermusikwettbewerb „Schubert und Musik der Moderne“ 2018 in Graz ausgezeichnet. Das Quartett beschäftigt sich zusätzlich zur Standardliteratur auch mit Werken zeitgenössischer Komponisten. So führte es 2017 das Streichquartett „Fleeting Moments“ von Brad Lubman beim Grafenegg Festival urauf. 

Eine rege Konzerttätigkeit führt das Simply Quartett in die renommiertesten Säle und Festivals Europas und Chinas. Es kann auf Auftritte im Wiener Musikverein, dem Wiener Konzerthaus, dem Grazer Stefaniensaal, der Casa da Musica in Portugal, dem Rachmaninovsaal in Moskau, dem Vatikanischen Museum, beim Pablo Casals Festival, dem Emergents Festival Barcelona dem Schanghai Chamber Music Festival, dem Steirischen Kammermusikfestival, Allegro Vivo in Niederösterreich und dem Gent Festival in Belgien zurückblicken. 

Die kommende Saison 2019/2020 beinhaltet Konzerte in der Wigmore Hall in London, dem Banff Center of Arts, dem Concertgebouw Amsterdam, dem Februari Festival in den Haag, dem Wiener Musikverein und Konzerthaus, dem MuTh in Wien, und einige Konzerte verteilt auf Österreichs Bundesländer sowie in Bergamo, Mailand, Modena und Fermo im Rahmen der Jeunesse Musicales.

​Beim internationalen Wettbewerb „Quatuors á Bordeaux“ im Juni 2019, gewann das Simply Quartett den Grand Prix, welcher eine Dreijahrestournee, organisiert von CLB Management und der Künstleragentur Vivace, beinhaltet. Neue Ansätze verfolgend, nahm das Ensemble 2017 am Musethica Festival mit Stationen in Zaragoza und Wien teil, wo in Institutionen wie Schulen mit speziellen Bedürfnissen, Gefängnissen, Obdachlosenheimen, Erwachsenenbildungseinrichtungen, fernab von traditioneller Konzertkultur musiziert wurde. Ebenso spielte das Quartett im Rahmen der Kinderkonzerte des Wiener Konzerthauses diverse Aufführungen, einschließlich einer Kooperation mit dem Beatboxkünstler RoBeat.

Das Simply Quartett studiert an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien bei Johannes Meissl und ist seit 2017 Mitglied der ECMA, European Chamber Music Academy.
Im Rahmen der Akademie reist das Ensemble durch ganz Europa um intensiv mit Professoren wie Hatto Beyerle (Alban Berg Quartett), Alfred Brendel, Avedis Kouyoumdjian, Patrick Jüdt, Miguel da Silva, Antonello Farulli und Michel Lethiec, zu arbeiten. Weitere Impulse bekommt das Ensemble von Gerhard Schulz. (ABQ). 

Weitere Preise bezeichnen den bisherigen Werdegang des Quartetts. (Trondheim Internationaler Kammermusikwettbewerb, Irene Steels Wilsing Wettbewerb in Heidelberg, Shanghai Kammermusikwettbewerb, Beijing Internationale Quartettwettbewerb, Casinos Austria Rising Star Award 2017, ECMA Preis, Artis Quartett-Preis, Wiener Klassik Preis der ISA (the International Summer Academy of Mdw - University of Music and Performing Arts Vienna).


Nachbericht

Ein Konzert im Zeichen des Streichquartetts, der Königsgattung der Kammermusik, hielt das „Simply Quartett“ im Barocksaal des Tegernseer Schlossgebäudes. Die vier jungen Musiker aus drei Nationen traten im Rahmen der „Tegernsee Woche“ für die Konzertreihe „Podium für junge Solisten“ auf. Danfeng Shen 1.Violine, Antonia Rankersberger 2.Violine, Xiang Lyu, Viola und Ivan Valentin Hollup Roald, Violoncello, entwickeln aus ihren unterschiedlichen Kulturwelten , China, Österreich und Norwegen , eine gemeinsame Klang- und Musiksprache, eine Einheit in Empfinden und Intensität des Musizieren die sie schon zu Gewinnern namhafter Wettbewerbe gemacht hat. Das Simply Quartett holte ab 2017 vier erste Preise bei Kammermusikwettbewerben, in Wien beim „Int. Joseph Haydn“, in Graz bei „Franz Schubert und die Moderne“, in Kopenhagen beim Int. „Karl Nielsen“ und beim „Quatuor a´Bordeaux“.

In Tegernsee bewältigte das Ensemble eine doppelte Anstrengung: durch die Corona-Auflagen bedingt zwei Konzerte, am späten Nachmittag und eines am frühen Abend.

Ihr Programm zeigte die Vielseitigkeit dieses jungen Quartetts, ihre Fähigkeit sowohl die Mozartschen Klassik wie die Spätromantik Dvoráks treffend zu interpretieren und nachzuempfinden. Das Streichquartett D-Dur KV 575 des Salzburger Meisters, 1789 als Nr.1 der in vorauseilender, leider erfolgloser Widmung an Friedrich Wilhelm II sogenannten „Preußischen Streichquartette“, erklang in schimmernder, sonniger, durchsichtiger Klanggebung fröhlichen Gemütes, der erste Satz Allegretto im Dialog der Instrumente mit goldener Klarheit und Lyrik. Das langsamere Andante, als Variation Mozarts eigenen Liedes“Das Veilchen“und anlehnend an die Arie des Blondchen aus „Die Entführung aus dem Serail“ komponiert, frühlingshaft innig, dazu von bereichernder Eleganz im Dialog von Cello und 1.Violine. Federleicht und schwebend spielten sich die vier Musiker in den Walzerschwung des Menuett, etwas geerdeter im Trio und die kontrastierenden Spannungen der Textur in den unterschiedlichen Elemente des finalen Allegretto ( in anspruchsvoller Sonatenrondo Form), die ruhigen Dreiklängen der Cello-Eröffnung sowie die nervösen Triolen durch die Stimmen und Tonarten führend, mit ausgeprägtem Sinn für die innewohnende Galanterie und betörendem Wohlklang ausarbeitend.

Dvoráks Streichquartett As-Dur op.105 von 1895 führte in ganz andere Ton- und Gefühlssphären. Satter Ensembleklang und dramatischere Atmosphäre brachte das Simply Quartett mit leidenschaftlichem Spiel und Gespür für die nun breitere Amplitude des Klangvolumens zu Gehör. Vorletztes Streichquartett des tschechischen Komponisten, in 5 Sätzen gearbeitet, teils während und teils nach seinem bahnbrechendem Amerika Aufenthalt, spiegelt es dessen Eindrücke in mehreren Stilelementen. Ernst und erschütternd düster nahm das Simply Quartett die langsame Einleitung, der sich aufbauenden, herantastenden Struktur der Musik adäquat bis zum lebendigen Aufjauchzen des Hauptthemas folgend. Bewegt und im emotionalen Fluss einer federnden Energie spielten die vier Streicher das Molto vivace, als eine musikalische Umarmung inniger Gesanglichkeit den langsamen Satz, in einmaliger beschwörender Kraft und Intensität. Mit leidenschaftlichem Impetus und ausgelassener Tanzlust führten sie durch das feurige Finale. Der aufflammenden Begeisterung und Bewunderung des Publikums antworteten sie dankbar und gerührt mit Mozarts Menuett aus dem vorangegangenen Quartett, leichtfüßig tänzelnd und wohltönend zart. Marcus Vitolo


Ulli und Uwe Kai Stiftung