Podium für junge Solisten - Freundeskreis für die Förderung junger Musiker e.V.

Scardanelli Quartett

SCARDANELLI QUARTETT

Mozart, Schostakowitsch

Barocksaal Tegernsee

03.06.2006, 20.00 Uhr

Vorbericht

Am Samstag den 3. Juni um 20.00 Uhr wird für das „Podium für junge Solisten“ des „Freundeskreis für die Förderung junger Musiker“ e. V. das „Scardanelli“-Quartett im Barocksaal des Tegernseer Schlosses auftreten. Dieses junge Ensemble, 1996 gegründet, welches seinen Namen von Friedrich Hölderlins Pseudonym seiner späten Dichtungen ableitet, war schon im Oktober 2004 zu Gast in Tegernsee, und ist Dank seines frischen und leidenschaftlichen Spieldrangs dem Publikum in bester Erinnerung. Mit einem frühen und ein späten Werk Mozarts sowie dem bedeutendsten Streichquartett Schostakowitschs erinnern Vladimir Anohin, Violine, Michail Kibardin, Violine, Juri Bondarev, Viola, und Vladimir Sinkevich, Violoncello, an die beiden Jubilare des Musikerkalenders 2006 : 250. Geburtstag von Mozart und 100. Geburtstag von Schostakowitsch. Zu hören werden das Divertimento für Streichquartett in D-Dur KV 136, das „Jagdquartett“ KV 458 und das Streichquartett Nr. 8 c-moll op.110 „In memoriam den Opfern von Faschismus und Krieg“ sein. Die Musiker des Quartetts kommen ursprünglich aus Russland und aus der Ukraine. Jedes Mitglied stammt aus einer Musikerfamilie und hat seine Ausbildung an den höheren Instituten seines Herkunftlandes genossen und hat sie nach ihrer Übersiedlung nach Deutschland fortgesetzt. Das Quartett, dessen 1. Geiger eine Stradivari spielt, konzertiert regelmäßig in Deutschland und gastiert mehrfach in Frankreich, Spanien und Italien in anderen Ländern Europas. Mitgeprägt hat das „Scardanelli“Quartett die Arbeit mit verschiedenen arrivierten Streichquartetten, so das Tanejew-Quartett, das Guarneri-Quartett, das Quartett sine nomine, das Orpheus-Quartett; Meisterkurse bei Norbert Brainin und Sigmund Nissel, ( Amadeus Quartett), und bei Franz Beyer. Im Zuge ihres disziplinierten Arbeitens haben sie sowohl die klassische als auch die zeitgenössische Quartettliteratur in ihr Repertoire aufgenommen und sind regelmäßige Gäste bei verschiedenen Konzertreihen und Festivals für zeitgenössische Musik, z.B.Hamburger Festival für neue Musik, wobei sie zahlreiche Uraufführungen spielten. Mehrere Einspielungen beim Norddeutschen Rundfunk zeugen von dem erreichten Bekanntheitsgrad des Quartetts. Marcus Vitolo

Nachbericht

Einen überwältigenden, bewegenden Konzertabend erlebten die Zuhörer des „Scardanelli“ Quartetts im Barocksaal in Tegernsee. Vom „Freundeskreis für die Förderung junger Musiker“ e.V. zu seinem „Podium für junge Solisten“ eingeladen, tratenVladimir Anohin, 1.Violine, Michail Kibardin, 2. Violine, Juri Bondarev, Viola und Vladimir Sinkevich, Violoncello, auf. Mozarts Divertimento D-Dur KV 136, eine flotte, volkstümliche Musik im Charakter der damals in Salzburg und Wien üblichen unterhaltenden Divertimenti , offenbarte sofort daß dieses Ensemble ein Geheimtipp ist : Passion und Fröhlichkeit durchdrangen das eher sinfonische Satzgefüge, klar und freudig singend erklangen die eingängigen Themen. Doch daß das „Scardanelli“ Quartett noch weit mehr vermag erlebte das Publikum bei der Interpretation von Schostakovichs Streichquartett in c-moll, Nr.8, op.110 „In memoriam den Opfern von Faschismus und Krieg“. Dieses 1960 im sächsischen Königstein mit den Bildern des zerstörten Dresden vor Augen entstandene Werk ist auch Schostakowitschs eigenens musikalisches Denkmal. Die Intensität mit der diese jungen Musiker dieses Werk wiedergaben, musikalisch Ereignisse beschrieben die ihrer Biografie aus Altersgründen fremd, nähmlich die vom Komponisten hier verarbeiteten Kriegesgeschehen, sowie die einfliessenden Zitate eigener Werke, war greifbar. Aufwühlend spielten die vier Musiker die Bilder und Gefühle von Erinnerung, Schmerz, Verdammnis und Versöhnung welche die ohne Unterbrechung zu spielenden Sätze durchdringen, von der Düsterniss des Largo über den Aufschrei des Allegro molto, die verwobenen, gläsernen Glissandi und das erschreckende Klopfmotiv bis zu der Abgestuften Leuchtkraft des im pianissimo verschwindenden finalen Largo. Mit dem „Jagdquartett“ von Mozart, KV 458, in Es-Dur , spielte das „Scardanelli“-Quartett seine Genauigkeit und elegante Gestaltungsfähigkeit aus. Die Phrasenabschliessenden pianissimo–Stellen des mit vibrierender Leichtigkeit genommenen 1.Satzes wie fliegende Spitzentanzbewegungen, das Menuett mit filigranem Trio, das Adagio ein Traum aus Seidentönen und das Allegro lebendig und wehmütig zugleich. Solch Vortragstärke liess unendlichen Applaus ertönen. Die erste Zugabe wurde das ursprüngliche, von Mozart verworfenen Menuett des Jadgquartetts in einer Ausarbeitung von Prof. Franz Beyer aus den ersten erhaltenen 8 Takten und der 1. Violinstimme, ein tänzerisch aufforderndes , schwingendes Stück ; als zweite Zugabe erklang die „Air“ Bachs aus der Ouvertüre D-Dur und entführte nochmal in eine versunkenen Welt von Eleganz, Tiefe und Anmut. Marcus Vitolo

Ulli und Uwe Kai Stiftung