Podium für junge Solisten - Freundeskreis für die Förderung junger Musiker e.V.

Jacob Leuschner, Klavier

JACOB LEUSCHNER, KLAVIER

Schumann, Beethoven,Schubert

Barocksaal Tegernsee

05.04.2008, 20.00 Uhr

Vorbericht

Der Pianist Jacob Leuschner, ein Repräsantant der jungen deutschen Pianisternriege, wird in Tegernsee am 5. April um 19.30 Uhr für das „Podium für junge Solisten“ einen klassischen Klavierabend präsentieren. Der aus Freiburg im Breisgau stammende Pianist wird den Barocksaal des Tegernseer Schlosses mit der Musik aus bedeutenden Klavierwerken von Beethoven, Schumann und Schubert erfüllen. Jacob Leuschner spielt seit dem achten Lebensjahr Klavier, trat mit zwölf Jahren in die Hochschule für Musik in Freiburg unter Helmut Barth ein und holte seinen ersten Preis bei Jugend Musiziert mit 18 Jahren. Nach dem Abitur begann er sein Studium unter Michell Béroff an der Staatlichen Hochschule für Musik in Freiburg, machte sein Diplom als Musikpedagoge und gründete das Ariadne Trio Basel. Bei Konrad Elser nahm er ein Studium an der Musikhochschule Lübeck auf, und machet 2000 sein künstlerisches Diplom. Er ist Stipendiat der Menhuin Stiftung“Live music now“ und der Studienstiftung des Deutschen Volkes sowie Preisträger mehrere Wettbewerbe, u.a. 2.Preis des „Viotti“ in Vercelli, Italien, des Possehl-Musikpreises ( Duo ), des Kai-Uwe-von-Hassel-Förderpreis der Hermann Ehlers Stiftung, Preis des Dt.Musikwettbewerbs in Berlin. Seit 1989 führen ihn Konzertreisen in die meisten europäischen Länder und in die USA. Er hat in vielen bedeutenden Konzertsälen gastiert, so z. B. in der Hamburger Musikhalle, der Stuttgarter Liederhalle, dem Konzerthaus und der Philharmonie Berlin, der Bonner Beethovenhalle und der Bremer Glocke sowie im Wiener Musikverein und im Concertgebouw Amsterdam.Als Solist spielte er u.a. mit der Klassischen Philharmonie Bonn, dem Hamburger Philharmonischen Kammerorchester, den Lübecker Philharmonikern, dem Landesjugendorchester Schleswig-Holstein, dem Brandenburgischen Staatsorchester, dem Orchester des Staatstheaters Darmstadt; und arbeitete dabei mit Dirigenten wie Heribert Beissel, Nicholas Carthy, Stefan Blunier und Dennis Russell Davies zusammen. Jacob Leuschner machte Rundfunk‑ und Fernsehproduktionen bei zahlreichen deutschen und ausländischen Sendern, auch liegen einige CD‑Einspielungen vor. Neben seiner solistischen Tätigkeit widmet er sich intensiv der Kammermusik in unterschiedlichen Besetzungen. 1997 gründete er mit seiner langjährigen Duopartnerin Angela Schwartz (Violoncello) und dem Geiger Alexander van Wijnkoop das Ariadne‑Trio Basel; zudem ist er u.a. Duopartner der Geigerin Anke Dill, des Cellisten Sebastian Klinger und des Klarinettisten Clemens Trautmann. Mit den beiden Letztgenannten gründete er 2003 das Feuerbach-Trio. Sein Repertoire reicht von den Virginalisten bis in die unmittelbare Gegenwart; Schwerpunkte bilden das Schaffen Mozarts, Beethovens, Schumanns und Schuberts sowie die Meister der klassischen Moderne. Er hat sämtliche Klaviersonaten von Beethoven und von Mozart mehrfach in Konzertzyklen aufgeführt, für 2008 sind zyklische Aufführungen aller Schubert-Sonaten geplant.

Nachbericht

Mit dem Pianisten Jacob Leuschner hat der „Freundeskreis für die Förderung junger Musiker“ e.V. einen Interpreten in den Barocksaal in Tegernsee eingeladen, dessen profunde Musikalität und Klangkultur auf eine besondere Art fesselten. Nichts banales, nichts glattes, keine Routiniertheit beeinträchtigten sein reifes, ernsthaftes und aufwühlendes Spiel. Schon die Programmauswahl zeugt von einem Musiker der sich ohne Allüren, aus innerer Überzeugung über die Selbstverständlichkeiten gängiger Stücke emporhebt. Auch seine nächsten Konzerte widmen sich nicht den „Hits“ sondern eher dem Tiefgründigen in der deutschen Klaviermusik, nach sämtlichen Mozart- und Beethovensonaten plant er alle Schubertsonaten zyklisch aufzuführen. Jacob Leuschner gestaltete die zwei Sätze Beethovens Sonate e-moll op.90 mit all ihrem oft übersehenen Reichtum an Farbigkeit und Kantabilität, Innigkeit und Tiefe, dem Werk die Bedeutung gebend die ihm gebührt, mit seinem wohldosierten Anschlag immer das richtige Maß findend. Beethoven antwortete auf die Frage des Widmungtragenden Grafen Moritz Lichnovsky welche bestimmte Idee denn Opus 90 ausdrücke „ er habe die Liebesgeschichte des Grafenehepaars in Musik umsetzen wollen „ , damals eine durch Standesunterschiede mit Schwierigkeiten behaftete Verbindung; und „eine Überschrift für den ersten Satz könne -Kampf zwischen Kopf und Herz- , für den zweiten - Conversation mit dem Geliebten – sein“. In seiner Fantasie C-Dur op.17 verbindet Schumann auf symbolische Art seine Idole Beethoven, Liszt und Clara, seine zukünftige Frau, in das Konzept eines Werkes welches die Grandiosität der Struktur der klassischen Sonate wiederaufleben läßt und doch ihre innere Form und Ordnung unkonventionell gestaltet. Leuschner läßt mit phantastischen Schwung eine erschütternde Gefühlswelt aufleben, dessen Ausdruck in unzähligen Farbnuancen, innigem Gesang und markantem Aufbäumen ertönen. Wie er das Leiden und Hoffen, das Bangen und Streben des jungen, verliebten und verzweifelten Schumann aus dieser Musik erklingen läßt wirkt im Zuhörer: man spürt das Leid, das Sehnen und die Leidenschaft. Auf das Äußerste eindrucksvoll der letzte Satz : man meint an einem dunklen See die Melodie des Wogen der Wellen zu hören, das Glitzern des sich spiegelnden Mondlichts und die Stärke des Windes und sein Spiel mit dem Wasser. Wenige Wochen vor seinem Tod vollendete Schubert die A-Dur Sonate D 959, auch ein Werk voller Geheimnisse und bewegender Tiefgründigkeit. Grandios interpretiert von Jacob Leuschner erklang diese Musik mal verhalten, mal inständig, nicht zu glühend und doch überzeugend in seinen sich langsam aufbäumenden Klangwellen, seinen alarmierenden Trillern, seiner alles überschattenden Melancholie. Absolut lobenswert die Tempowahl im 2.Satz: nur Langsamkeit kann das zögerlich gemeinte Fortschreiten in seiner klagenden Gespenstigkeit richtig ausdrücken. Als ein flirrender Tanz sanfter Brillanz erklang das Scherzo und das Finale Rondo melodisch sich fortspinnend und zu virtuoser Wehemenz steigernd. Ein grandioser Klavierabend geht nicht ohne Zugaben zu Ende : Jacob Leuschenr suchte zwei welche seinen erlesenen Geschmack unterstreichen aus : eine Bearbeitung Kempffs von Glucks „Orpheus und das Reigen seliger Geister“ und ein zart schmelzender Tango von Albeniz in einer Bearbeitung von Godowski. Marcus Vitolo

Ulli und Uwe Kai Stiftung