Podium für junge Solisten - Freundeskreis für die Förderung junger Musiker e.V.

Julia Fischer, Violine, Milana Chernyavska, Klavier

JULIA FISCHER, VIOLINE, MILANA CHERNYAVSKA, KLAVIER

Ysaye, Franck, Beethoven

Barocksaal Tegernsee

08.10.2010, 19.30 Uhr

Vorbericht

Der "Freundeskreis für die Förderung junger Musiker" e. V. krönt den Abschluß seines Jubiläumsjahres zum 25jährigen bestehen mit einem brillanten Konzert. Die Star-Geigerin Julia Fischer und die Pianistin Milana Chernyavska werden im Barocksaal am Freitag den 8. Oktober auftreten. Diese zwei außergewöhnliche Künstlerinnen engagieren zu können ist für den Förderverein ein besonderes Glück, das Konzert ist seit Monaten schon restlos ausverkauft. 1983 in München als Tochter deutsch-slowakischer Eltern geboren, gehört Julia Fischer zu den führenden Geigensolisten, die Zuhörer rund um die Welt mit ihrer Musik begeistern. Sie begann ihren musikalischen Lebensweg im Alter von knapp vier Jahren und wurde bereits im Alter von neun Jahren als Jungstudentin von der renommierten Geigenprofessorin Ana Chumachenco unterrichtet. Ein entscheidender Meilenstein ihrer rasanten Karriere war der Gewinn des internationalen Yehudi-Menuhin-Wettbewerbs 1995 unter der Leitung des großen Geigers. Im Jahr darauf gewann sie den 8. Eurovisionswettbewerb für Junge Instrumentalisten. Julia Fischer ist eine ebenso veritable Pianistin, und in der Lage an einem Abend erst ein Violinkonzert und danach ein Klavierkonzert zu meistern. Seither musiziert Julia Fischer mit namhaften Dirigenten und führenden Orchestern der Welt. Viele ihrer Konzerte werden vom Fernsehen und Rundfunk live übertragen oder aufgezeichnet. 2006 wurde Julia Fischer in die Jahrhundert-Geiger-CD-Edition der Süddeutschen Zeitung aufgenommen. 2007 erhielt sie den international hoch angesehenen Gramophone Award als Artist of the Year und 2009 den gleichen Titel bei der MIDEM Classique in Cannes. Die 24 Capricen von Paganini sind auf ihrer neuesten CD eingespielt. Die Pianistin Milana Chernyavska wurde in Kiew geboren. Bereits siebenjährig wurde sie als Studentin am Tschaikowsky Konservatorium Kiew aufgenommen. Nach dem Studium folgten Meisterkurse sowie ein Meisterklasse-Studium bei Prof. Margarita Höhenrieder und Prof. Gerhard Oppitz an der Musikhochschule München. Als Preisträgerin internationaler Klavier- und Kammermusikwettbewerbe gastierte sie auf vielen international bedeutenden Podien, u.a. beim Lucerne Festival, dem Rheingau-Musik-Festival, dem Schleswig-Holstein Festival, in der Londoner Wigmore Hall, dem Concertgebouw in Amsterdam und dem Herkulessaal der Münchner Residenz. Zu ihren Kammermusikpartnern zählen Julia Fischer, Elisabeth Batiashvili, Daniel Müller-Schott und das Vogler-Quartett. Einspielungen liegen bei Labels wie EMI, Naxos und Ars Musici vor. In Tegernsee wird dieses außergewöhnliche Duo Werke von Ysaye, Franck und Beethoven spielen.

Nachbericht

Ein unübertreffliches Duo an Violine und Klavier krönte die Konzertserie "Podium für junge Solisten". Die Geigerin Julia Fischer und die Pianistin Milana Chernyavska machten das Abschlusskonzert im Jubiläumsjahr zum 25jährigen Bestehen des "Freundeskreis für die Förderung junger Musiker"e.V. zum musikalische vollendetem Ereignis. Das begeisterte Publikum im ausverkauften Barocksaal im Tegernseer Schloss, huldigte den beiden Ausnahme-Künstlerinnen mit standing ovations, und wurde mit zwei faszinierenden Zugaben belohnt. Von Beginn an zeigten die beiden Julia Fischer und Milana Chernyavska Selbstbewusstsein und musikalische Reife. Julia Fischer spielte die Sonate Nr.1 Op.27 für für Violine solo 1923 entstanden, des belgischen Komponisten, Dirigenten und Geigenvirtuosen Eugène Ysaye, mit faszinierender Selbstverständlichkeit. Dieses in freier Form an Bachs polyphone Schreibweise anknüpfende kühne Werk, voller aberwitziger spieltechnischer Anforderungen, interpretierte sie mit deklamatorischer Stärke, Intensität und Freude an den Klangeffekten. Die musikalische Verwandtschaft mit Bach tritt am stärksten im zweiten Satz, Fugato, auf. Hier holte die Violinistin die ganze Dramatik des mehrstimmig aufgezogenen Stückes heraus. Nachdenklich gestaltete sie das Allegretto, lyrisch ausschwingend und zärtlich filigran; impulsgeladen das Finale con brio, Oktavparallelen, Doppelgriff-Passagen, und Springbogen-Techniken mit einem Lächeln bewältigend, und die suggestive Sprache Ysayes mit Passion weiterführend. Als "Prunkstück aller noblen Geiger" spricht Joachim Kaiser von César Francks Violinsonate A-Dur. Man möchte hinzufügen : Auch aller begnadeten, mitgestaltenden Pianisten. Als eben solche erwiesen sich Julia Fischer und Milana Chernyavska. Ihr leidenschaftlicher Dialog begann im Allegretto ben moderato breit und intensiv ausgedehnt, dann träumerisch unschuldig und hingebungsvoll. Schnellster, heftiger Puls im Allegro, inbrünstig mit entschlossenem Geigenton und endlich einer Pianistin wie Milana Chernyavska die hier nicht nur Francks tiefe Oktaven mit optimaler Sonorität zu Gehör bringt, sondern überhaupt so einbezogen und mutig bereichernd begleitet wie es selten vorkommt. Dem verträumten dritten Satz Recitativo-Fantasia folgte das mitreissende Allegretto poco mosso, dessen anfängliche Unbekümmertheit sich in vielstimmiges Brausen wandelte und leidenschaftlich gesteigert abschloss. Beethovens letzte Sonate für die Besetzung Violine und Klavier, G-Dur op.96 Nr.10, steht zu Unrecht im Schatten ihrer Vorgängerin, der "Kreutzer"-Sonate. Eher ungeeignet zur künstlerischen Selbstdarstellung, braucht dieses Werk versierte, tief empfindsame Interpreten. Julia Fischer und Milana Chernyavska holten das Publikum mit der introvertierten Poesie der ungewöhnlichen, auf Schubert hindeutenden, ja fast impressionistischen Klangbilder ab. Die verdichteten Klangstrukturen, die vielfältigen Seitengedanken und die lyrischen Entwicklungslinien ließen sie als Beethovens Erzählungen in Klang und Ton, als ein Gedicht in Musik aufleben. Dem triumphalen Applaus antworteten Julia Fischer und Milana Chernyavska mit Ysayes Musik, einem Andante in F-Dur aus einem verschollenem Violinkonzert, dann mit Tschaikovskys elegischer "Melodie". Marcus Vitolo

Ulli und Uwe Kai Stiftung