Podium für junge Solisten - Freundeskreis für die Förderung junger Musiker e.V.

Klavierabend Olga Scheps

OLGA SCHEPS, KLAVIER

Beethoven, Mozart, Rachmaninoff,Chopin

Barocksaal Tegernsee

04.06.2011, 19.30 Uhr

Vorbericht

Olga Scheps wurde 1986 in Moskau geboren und kam mit sechs Jahren nach Deutschland. Ihre aktive Konzerttätigkeit als Pianistin begann bereits im Alter von 12 Jahren, als sie mit mehreren ersten Preisen bei "Jugend musiziert" und einem ersten Preis beim Wettbewerb "Jugend spielt Klassik" auf sich aufmerksam machte. Mittlerweile führten sie Konzerte in die Tonhalle Düsseldorf, die Laeiszhalle Hamburg, die Kölner Philharmonie, Beethovenhalle Bonn sowie die Philharmonie in München u.a. Sie ist ein gern gesehener Gast bei diversen Festivals wie z. B. dem Klavierfestival Ruhr, den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern, dem Schleswig-Holstein Musik Festival sowie dem Kissinger Sommer, dem Heidelberger Frühling und den Sommerlichen Musiktagen Hitzacker. Im Ausland konzertierte sie bisher in Italien, Österreich, Dänemark, der Schweiz, den Niederlanden, Asien sowie in den USA. Ihr Recital beim Klavierfestival Ruhr im Mai 2009 wurde aufgenommen und als Konzertmitschnitt in der Edition Klavierfestival Ruhr in Zusammenarbeit mit der Zeitschrift Fono Forum veröffentlicht. Für ihre Debüt-CD mit Werken von Chopin bei RCA/Sony Music erhielt sie den Echo Klassik 2010 als beste Nachwuchskünstlerin. Olga Scheps studiert bei Professor Pavel Gililov an der Musikhochschule Köln. Zudem erhält sie seit ihrem 15. Lebensjahr künstlerische Impulse von Alfred Brendel.

Nachbericht

Ein Triumph im Barocksaal : die Pianistin Olga Scheps beschenkte das Publikum im Tegernseer Schloss mit einem Recital welches noch lange in Erinnerung bleiben wird. Das seit Wochen ausverkaufte Konzert, einige Glückliche konnten gerade noch zurückgegebene Karten bekommen, bescherte dem „Freundeskreis für die Förderung junger Musiker einen komplett ausverkauften Saal. Dem Konzert selbst ging ein erlesener Sektempfang für die Mitglieder des Vereins voraus, von einem großzügigen Gönner und Mitglied gespendet, sowie die Bereitstellung eines Fazioli Flügels eigens für diesen Abend. Olga Scheps, eine mit der Musik symbiotisch empfindende Künstlerin, tauchte in die Erlebniswelten ihrer ausgesuchten Klavierstücke gänzlich ein, und übertrug jede Gefühlsregung, jede Klangschattierung, vom heftigsten Ausbruch bis zur geringsten Nuance, eingebettet in ein fluides, plastisches und immer pulsierendes Spiel, begleitet von angenehm ausdrucksvoller Mimik und elastischer, zielgerichteter Gestik. Allein die Auswahl von Beethovens Sonate D-Dur Op. 10 Nr. 3 als Beginn, also eine chronologische Reihung brechend vor dem darauffolgenden Rondo Mozarts, sagte dem Zuhörer das hier ein Mensch besonderes mitteilen möchte, ist dieses Werk doch wie jede einzelne Sonate und Sinfonie Beethovens eine sich nicht wiederholende Welt an sich. Folgten die vorangegangenen Meister einem Schema nach dem Dutzende Werke oft allzu ähnliche Merkmale trugen, verschwindet mit Beethoven dies mit einer neuen Sprache : das Leben selbst spricht in all seinen Facetten von Schönheit und Tragik. Als eine sprudelnde Ouvertüre erklang unter Olga Scheps Händen der erste Satz Presto, und wie ein dumpfes, intim kantables Klagelied in einer ausgelassenen, farbenfrohen Welt zeichnete sie das Largo : Sehnsuchtsvoll und doch hoffnungslos des Wanderer schwerer Gang durch Verzweiflung, Leiden und Vernichtung aller Lebensträume. Im Ton einer tröstenden Mutter lies sie das Menuett aufleuchten, das Gemüt aufmunternd, markanter im Trio, und ein quirliger Geist forderte wie ein frecher Vogel im finalen Rondo zu perlender Fröhlichkeit auf, neckt und lockt mit kurzem Motiv, tanzt und flattert unbeschwert und verflüchtigt sich dann mit immer schnellerem Flügelschlag. Das Rondo a-Moll KV 511, im März 1787 vollendet, ist ein Unikat in Mozarts pianistischer Produktion, und fällt in die Zeit nach der Hochzeit des Figaro, als die Gunst der höheren Gesellschaft nachließ, der Schmerz über den Tod des Vaters und guter Freunde Mozarts Lebensgefühl wohl prägte. So fand er zu der Einsamkeit des freien Künstlers welche die Romantik später mit allen Konsequenzen akzeptierte, und zu einer Sprache welche schon Elemente der Sonorität Beethovens und Schuberts in sich trug. Diese Irrlichter zwischen Rokoko und Romantik, zwischen Heiterkeit und Melancholie traf Olga Scheps mit unvergleichlicher Zartheit und Tiefe des Ausdrucks, die musikalische Linie kongenial intensiv führend, die irreale Magie dieser Musik entfaltend. Kontrapunkt zu der Tiefe der vorherigen Stücke bildete Beethovens aufbrausendes Rondo a capriccio Op. 129 „Die Wut über den verlorenen Groschen“. Äußerste Spielfreude bemächtigte sich Olga Scheps, die in den Rumpelstilzchen-Charakter des Themas vollendet einstieg und der Variationen immer neue Erregung im peitschenden Grundpuls durchleuchtete. Einen beeindruckenden Ausflug in die russische Musik des Anfangs des 20.Jahrhunderts machte Olga Scheps mit Rachmaninoffs Variationen über ein Thema von Corelli Op.42 und den Preludes Nr. 4 D-Dur und Nr. 6 g-Moll. Sie führte durch ein Reigen phantasmagorischer Variationen, von der Lieblichkeit des Themas bis zu seiner tumultartigen Apotheose durch alle Raffinessen der Technik, von Pathos durchdrungen und über verzierte , sowie meditative und ariose Episoden bis zum profund düsterem Ende. Nach diesem Gewitter breitete Olga Scheps die elegische Ruhe des ersten Prelude aus, sowie perfekt agogisch gestaltend die voranstürmende Energie des zweiten. Mit Chopins Ballade g-Moll erreichte Olga Scheps nochmal die tiefste Versenkung in eine überwältigende Klangwelt absoluter Musik. Klarster Ton, brillanteste Technik und vollendetes Gefühl, schufen ein Musikerlebnis von Sehnsucht, Kraft, Schwung und Schicklsalsschwere wie es selten zu hören ist. Chopins golden leuchtendes Des-Dur Nocturne Lento sostenuto als Zugabe besiegelte den Konzertabend einer profunden Künstlerin von glühender Schaffenskraft. MV

Ulli und Uwe Kai Stiftung