Podium für junge Solisten - Freundeskreis für die Förderung junger Musiker e.V.

Schumann Quartett, Sonderpreisträger des Borciani Wettbewerb

SCHUMANN QUARTETT, SONDERPREISTRäGER DES BORCIANI WETTBEWERB

Haydn, Schubert, Brahms

Barocksaal Tegernsee

29.10.2011, 19.30 Uhr

Vorbericht

Innerhalb kürzester Zeit ist es diesem erst seit 2007 bestehenden deutsch-japanischen Streichquartett gelungen, Preisträger internationaler Wettbewerbe zu werden. Erst errang es den 2. Preis des 7.Osaka International Chamber Music Wettbewerb, dann den Sonderpreis beim Premio Paolo Borciani, dessen Hauptpreis dieses Jahr wegen gleicher Punktzahl von drei teilnehmenden Ensembles nicht vergeben wurde. Seine Mitglieder sind die Brüder Erik, 1. Violine, Ken, 2. Violine, und Mark Schumann, Violoncello, sowie die Bratschistin Ayako Goto. Das junge Quartett , daß sein Elternhaus in Pulheim hat und nach dem eigenen Familienname benannt ist , nicht wie das in München angesiedelte Streichquartett nach Robert Schumann, ist folgendermaßen aufgestellt : Erik Schumann, 1. Violine, Ken Schumann 2.Violine, Ayako Goto, Viola, und Mark Schumann, Violoncello.

Nachbericht

Ein Konzert der Extraklasse bot das junge „Schumann“ Quartett zum Saisonabschluss der Konzertreihe „Podium für junge Solisten“im Barocksaal des Tegernseer Schlosses. Die Geschwister Erik, Ken und Mark Schumann spielten bereits seit dem Kindesalter als Streichtrio zusammen, 2007gründeten zwei der Brüder mit ihrer Schwester und einem Bratscher das Ensemble. Kurze Zeit später erfolgte ein Wechsel : der Bruder Erik und Ayako Goto übernahmen respektive die 1.Geige und die Bratsche. Seit 2011 studieren sie beim Alban Berg Quartett in Köln. Konzerterfahrung haben sie bereits mit einer eigene Reihe, „Erstklassik“, im Düsseldorfer Robert Schumann-Saal gesammelt. Dank der letzten großen Wettbewerbserfolge, erst bei der International Osaka Chamber Music Competition- 2. Preis, dann beim Premio Paolo Borciani, dessen Hauptpreis wegen gleicher Punktzahl der drei Finalisten nicht vergeben wurde, den Sonderpreis“Jeunesse musicales Deutschland“; sind sie auf dem Weg zur großen Karriere. Dem „Freundeskreis für die Förderung junger Musiker“ e.V. ist es gelungen die vier Himmelsstürmer nach Tegernsee einzuladen. Hier begann das Konzert mit Haydns „Sonnenaufgangsquartett“ B-Dur Op.76 Nr. 4 Hob. III : 78. Aus der ungewöhnlichen Dynamik dieses Werkes holten die vier jungen Künstler alles heraus was musikalisch möglich war. Sie genossen im ersten Satz Allegro con spirito die Wechsel von Spannung und Ruhe, und brachten ihren samtigen sowie ihren aufbrausenden Ensembleklang zur Entfaltung. Als eine variierte Elegie über das Thema beleuchteten sie das Adagio, und führten mit allen Schattierungen weicher Klanggebung durch seine außergewöhnlichen harmonischen Wendungen. Im Menuett knüpften sie mit Spielfreude an die Aufmüpfigkeit des Attaca-Übergang zum Trio mit seiner volksmusikalischen Melodie und dem gehaltenen Bass-Orgelpunkt an, und steigerten nach gemütlichem Beginn den finalen Satz mit seiner von g2 abwärts rotierenden Sequenz zu einer wilden, mitreißenden Klangachterbahn. Franz Schuberts eindringlichem Quartettsatz c-moll D 703 begegnete das Schumann Quartett mit ungeheurer Erzählkunst : wie in einer Ballade das Konzentrat an Schubertscher Farben- und Gefühlswelt ausbreitend, die Wechsel von lyrischem Geigenthema, dramatischem Cello, gemütlichem Weiterplaudern, und Gewitterausbrüchen in antreibender Geschwindigkeit, ergriff diese Interpretation mit seiner Leidenschaft das berauschte Publikum. Vibrierende Spannung und Mut zu schärfer gesetzten Tönen, klarst herausgearbeitete Stimmen und ein Gesamtklang von Format, all dies gelang dem Schumann-Quartett mit seiner Auffassung von Brahms Streichquartett c-moll Op. 51 Nr. 1. Vom volltönigen, dramatisch zerklüfteten Allegro über die traurig nachdenkliche Romanze-Poco Adagio bis hin zum finalen Allegro spielten Erik, Ken, Mark Schumann und Ayako Goto mit packender Entschlossenheit, kluger Tempoflexibilität, orchestralem Klang und frappierender Beschleunigung. Solche Wucht rief nach Zugabe : ein poetischer, schwebend magischer 2.Satz aus Mozarts „Jagdquartett“ besänftigte die aufgewühlten Zuhörerseelen zum Abschluss eines phänomenalen Konzertes. Marcus Vitolo

Ulli und Uwe Kai Stiftung