Podium für junge Solisten - Freundeskreis für die Förderung junger Musiker e.V.

Amadeus Wiesensee, Klavierabend

AMADEUS WIESENSEE, KLAVIERABEND

Bach-Busoni, Mozart, Beethoven, Brahms, Chopin

Barocksaal Tegernsee

04.08.2012, 19.30 Uhr

Vorbericht

Amadeus Wiesensee, 18, erhielt seinen ersten Klavierunterricht im Alter von sechs Jahren. Im Sommer 2002 wechselte er zu Prof. Thomas Böckheler in München. Seit 2007 ist er Jungstudent bei Prof. Karl-Heinz Kämmerling, zunächst am Mozarteum Salzburg und aktuell in der Frühförderung für musikalisch Hochbegabte an der Hochschule für Musik Hannover. Meisterkurse folgten u.a. bei Prof. Elena Richter, John O’Conor und Hélène Grimaud. 2011 wurde er zum Beethoven-Kurs der Wilhelm Kempff-Kulturstiftung in Positano eingeladen. Besonders nachhaltige Impulse erhielt er von Alfred Brendel. Er gewann mehrfach 1. Preise bei Jugend musiziert auf Bundesebene und erhielt Sonderpreise der Deutschen Stiftung Musikleben, der Jürgen Ponto Stiftung, des Münchner Rundfunkorchesters und den Sonderpreis Marler Debüt. 2006 war er 6-facher Preisträger des Intern. Münchner Klavierpodiums. Aufgrund herausragender Leistungen erhielt er das Carl-Heinz-Illies-Förderstipendium und Stipendien vom Podium für Junge Solisten Tegernsee, der Deutschen Stiftung Musikleben ( Auxiliaris Stiftung ) und der Oscar und Vera Ritter Stiftung. Bereits mit 12 Jahren konzertierte er mit dem Münchner Rundfunkorchester, es folgten u.a. Konzerte mit der Deutschen Streicherphilharmonie, den Philharmonikern Bad Reichenhall, dem Festivalorchester Bodensee, den Heidelberger Philharmonikern und den Bergischen Symphonikern. Auftritte hatte er u.a. im Kaisersaal der Münchner Residenz, beim Amiata-Piano-Festival, beim Oleg-Kagan Musikfest, bei den Schwetzinger Mozarttagen, dem Schleswig Holstein Musikfestival, im Prinzregenten- und Cuvilliés-Theater in München. Recitals spielte er u.a. bei den Kampener Literatur- und Musiktagen, Festspielen in Mecklenburg Vorpommern, für die Konrad Adenauer-Stiftung und der Musikwoche Hitzacker. 2012 gab er Konzerte u.a. bei der Reihe Winners & Masters in München, bei der Musikwoche in Hitzacker und er spielte das 2. Klavierkonzert von S. Rachmaninow mit den Bergischen Symphonikern. 2012 folgen u.a. noch Recitals im Barocksaal Schloss Tegernsee, beim Mozartfest Würzburg, den Kampener Literatur- Musiktagen und das Eröffnungskonzert des Bonner Schumannfestes. Neben dem eindeutigen Schwerpunkt Musik gilt sein Interesse der Philosophie, der Klassischen Philologie, Literatur, Theologie und alten Sprachen. Vor zwei Jahren gewann er beim Bundeswettbewerb Latein einen ersten Preis. Mit seiner Facharbeit „Wahrheit abstrakt, Voraussetzung für Wahrheit konkret?“ hat er selbst Fachleute beeindruckt. Ausschnitt aus der BR Abendschau

Nachbericht

Einen Klavierabend von entrückender Wirkung gab der junge Pianist Amadeus Wiesensee aus Waakirchen im Barocksaal des Tegernseer Schlosses Eingeladen vom „Freundeskreis für de Förderung junger Musiker“ e.V. bot der erst 18jährige Musiker ein Programm von poetisch erlesenen Klavierkompositionen, nach seiner Empfindsamkeit und seiner Persönlichkeit entsprechend ausgesucht. Auftakt dieses konzentrierten, nicht mehr Absicht, nicht mehr Gestaltung nachzeichnenden Klaviererlebnis wurde Busonis bearbeitetes Bachs Choralvorspiel BWV 639 in f-Moll. Gravitätisch, tief empfunden und das Thema aufleuchten lassend, tauchte Amadeus Wiesensee mit edlem Ernst in die komplexe Klangwelt dieses kurzen Stückes ein. Den ersten Satz von Mozarts Sonate a-Moll KV 310, ein Werk von bislang unbekannter und aus der spielerisch galanten Zeitkunst herausreissender Stimmungsdichte, nahm der junge Künstler mit fast ätherischer Unbekümmertheit ob der Bezeichnung Allegro maestoso. Gelassene Delikatesse und Unaufgeregtheit prägten seine Interpretation, doch jeden Ton in gesanglicher Leuchtkraft lies er im 2.Satz erklingen, hier spielte es ihn am stärksten, die Musik hatte ihn ergriffen, ihr tragender Puls zu seinem Überbringer gemacht. Der abschließende Presto-Satz war von Schubertscher Sonorität und fliegender Bewegung dominiert, die Schatten der Ruhelosigkeit und Verzweiflung treffend geführt, das kurze Aufleuchten eines blassen Dur-Teils nur leicht, subtil nachgezeichnet. In kultiviertem, elegantem Klavierton spielte Amadeus Wiesensee Beethovens zum Spätwerk gehörende Sonate E-Dur Op. 109. Alle Tempi nie zu ausgereizt, vornehm geführt, und sein Auftritt hinter das Werk stellend, agierte er versunken und inspiriert, die melodiöse Aussage des Werkes, ihr lyrisches Bekenntnis erfüllend. Der sechsteilige Variationssatz, die Krone des Werkes, muss hier eigens erwähnt werden : sein kontrapunktischer und gesanglicher Anspruch kam unter Amadeus Wiesensee zu vollendeter Geltung, der Friede und die Ergebung des Themas, der zarte Pathos,die wirbelnden Passagen, das freche alternieren der Staccato Achteln, das ausdrucksvolle Gesangsstück, das groß angelegte Fugato, der akkordisch anschwellende und gespenstisch schwindende Schluss mit den funkelnden Trillern und das schlichte Thema ganz am Ende, führten den Hörer durch eine ernst beglückende Welt des Wohllauts. „Wiegenlieder meiner Schmerzen“ hat Brahms seine„Drei Intermezzi“ Opus 117 genannt, und in der Tat sind diese musikalisch-formal nicht zusammenhängende Stücke auf der Empfindungsebene sehr wohl verwandt. Die Anregung zur Komposition des ersten Intermezzo, in Es-Dur, entstand aus dem ersten Vers eines schottischem Wiegenlied, und sein sanft wogendes Tempo zaubert die Szene der Betrachtung eines schlummernden Kindes hervor. Aus den seufzend vorbeihuschenden musikalischen Figuren des b-Moll Intermezzo tritt eine verträumt- traurige Weise hervor, im dritten Intermezzo steigert sich eine gedämpfte Stimme zu dunklem Glühen, alle drei sind meisterhafter Ausdruck überlegener Kompositionsreife. Amadeus Wiesensee gelang es in diese seelische Sphäre einzutreten, Elegie , Melancholie und Resignation erklingen zu lassen, die Feinheiten der Textur und die liebevolle Sehnsucht der Musik ergreifend darzustellen. Drei Werke Frédéric Chopins beendeten den offiziellen Teil des Programms : Amadeus Wiesensee tauchte in die Bilderwelt des Impromptu fis-Moll Op.36, in die mittaglich erleuchteten ländliche Idylle der behutsam geführten Kantilene, des drängenden Chorgesangs, seines abrupten Abriss und der wiederkehrenden Ruhe, des ekstatisch sprudelnden Brunnen der seine Notenperlen kadenzartig verstreut. Im Impromptu Ges-Dur Op. 51 beleuchtete Amadeus Wiesensee jede Nuance der arabeskenartigen weichen Figuren, und im Scherzo Nr.3 cis-Moll stieg er virtuoser denn je ein, lies die Unruhe der hagelnden Oktaven erklingen, die Klangfülle des Choralthemas und seiner wie Feuerwerksregen impressionistisch unterbrechenden Passagen überaus beschwingter aufleuchten. Eine donnernde Prokofjew- und eine zärtlichst singende Scarlatti-Zugabe rundeten das Bild eines grandiosen Talentes welches einen großen Weg beschreiten wird, ab.MV

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